Judo-Ausbildung

Letzte Aktualisierung: 06.01.2009

 

Ausbildungs- und Lizenzstufen

 

Die Rolle des Partners beim Judotraining        

 

Methodik        Randori 1        Randori 2        Randori-Turnier

 

Ausbildungs- und Lizenzstufen im Detail

Vorstufe – ohne Lizenz

Sportassistent/in – Gruppenhelfer/in

Zielgruppe: jugendliche Judoka
Träger derAusbildung: Landesverbände auf Kreis- oder Bezirksebene
Dauer der Ausbildung: 30 UE
Voraussetzungen: 3. Kyu, 14 Jahre, aktive Teilnahme an der entsprechenden Ausbildung in Theorie und Praxis
Prüfung: ohne Prüfung


Vereinsassistent/in

Zielgruppe: ältere Jugendliche, Eltern
Träger derAusbildung: Landesverbände auf Kreis- oder Bezirksebene
Dauer der Ausbildung: 30 UE
Voraussetzungen: ältere Jugendliche und Erwachsene auch ohne Judokenntnisse, aktive Teilnahme an der entsprechenden Ausbildung in Theorie und Praxis
Prüfung: ohne Prüfung

 

Lizenzstufe I

Trainer/in C

Orientierung: Wettkampf- und Leistungssport mit Kinder und Jugendlichen
Träger derAusbildung: Landesverbände
Dauer der Ausbildung: 120 UE
Voraussetzungen: vollendetes 18. Lebensjahr, 1. Kyu, Kampfrichterlehrgang 15 UE, Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses, gültiger Judopaß, aktive Teilnahme an der entsprechenden Ausbildung in Theorie und Praxis (zur Teilnahme an der Ausbildung: 16. Lebensjahr, 2. Kyu)
Prüfung: -praktische Prüfung: Eigenralisation; - Lehrprobe mit schriftl. Ausarbeitung (mind. 30 Min.); - Fragebogentest

Fachübungsleiter/in C

Orientierung: Breiten- und Freizeitsport mit Kinder und Jugendlichen
Träger derAusbildung: Landesverbände
Dauer der Ausbildung: 120 UE
Voraussetzungen: vollendetes 18. Lebensjahr, 1. Kyu, Kampfrichterlehrgang 15 UE, Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses, gültiger Judopaß, aktive Teilnahme an der entsprechenden Ausbildung in Theorie und Praxis (zur Teilnahme an der Ausbildung: 16. Lebensjahr, 2. Kyu)
Prüfung: -praktische Prüfung: Eigenrealisation; - Lehrprobe mit schriftl. Ausarbeitung (mind. 30 Min.); - Fragebogentest

Aufbaukurs Jugendleiter/in

Orientierung: Jugendsport Allgemeine Jugendarbeit im Judoverein
Träger derAusbildung: Landesverbände und Landesjugendleitungen
Dauer der Ausbildung: 60 UE
Voraussetzungen: vollendetes 18. Lebensjahr, 1. Kyu, Kampfrichterlehrgang 15 UE, Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses, gültiger Judopaß, aktive Teilnahme an der entsprechenden Ausbildung in Theorie und Praxis (zur Teilnahme an der Ausbildung: 16. Lebensjahr, 2. Kyu)
Prüfung: gesonderte praxisbezogene Prüfungsaufgaben

Lizenzstufe II

Trainer/in B

Orientierung: Wettkampf- und Leistungssport mit Jugendlichen und Erwachsenen
Träger derAusbildung:DJB (auf Gruppenebene – in Absprache mit den Landesverbänden)
Dauer der Ausbildung: 60 UE
Voraussetzungen: vollendetes 20. Lebensjahr (zur Teilnahme an der Ausbildung: 18. Lebensjahr), 1. Dan, Nachweis über den Besuch eines Kampfrichterlehrganges in den letzten 2 Jahren bzw. gültige Lizenz, gültiger Judopaß, aktive Teilnahme an der entsprechenden Ausbildung in Theorie und Praxis, Befürwortung durch Verein und Landesverband, Nachweis einer 2jährigen Trainertätigkeit, gültige C-Lizenz.
Prüfung: Hausaufgabe, Hospitation, Fragebogentest, Praxisprüfung

Fachübungleiter/in B (Judolehrer/in – Stufe 1)

Orientierung: Breiten- und Freizeitsport mit Jugendlichen und Erwachsenen
Träger derAusbildung: DJB (auf Gruppenebene – in Absprache mit den Landesverbänden)
Dauer der Ausbildung: 60 UE
Voraussetzungen: vollendetes 20. Lebensjahr (zur Teilnahme an der Ausbildung: 18. Lebensjahr), 1. Dan, Nachweis über den Besuch eines Kampfrichterlehrganges in den letzten 2 Jahren bzw. gültige Lizenz, gültiger Judopaß, aktive Teilnahme an der entsprechenden Ausbildung in Theorie und Praxis, Befürwortung durch Verein und Landesverband, Nachweis einer 2jährigen Trainertätigkeit, gültige C-Lizenz.
Prüfung: Hausaufgabe, Hospitation, Fragebogentest, Praxisprüfung

Lizenzstufe III

Trainer/in A

Orientierung: Wettkampf- und Leistungssport auf hohem Niveau
Träger derAusbildung: DJB
Dauer der Ausbildung: 90 UE
Voraussetzungen: vollendetes 20. Lebensjahr, 2. Dan, gültiger Judopaß, aktive Teilnahme an der entsprechenden Ausbildung in Theorie und Praxis, Befürwortung durch Verein und Landesverband,

Nachweis einer Trainertätigkeit im Wettkampfbereich von Verein und LV, gültige Trainer B-Lizenz.
Prüfung:Hausaufgabe, Fragebogentest, Lehrprobe, Praxisprüfung

Judolehrer/in –Stufe 2

Orientierung: Breiten- und Freizeitsport mit Erwachsenen und Multiplikatoren
Träger derAusbildung: DJB
Dauer der Ausbildung: 3 x 30 UE ausgewählte Schwerpunktthemen
Voraussetzungen: gültige Fachübungsleiter B-Lizenz.
Prüfung: ohne Prüfung

Lizenzstufe IV

Diplom-Trainer/in

Orientierung: Wettkampf- und Leistungssport auf nationalem und internationalem Niveau
Träger derAusbildung: Trainerakademie zusammen mit dem DJB
Dauer der Ausbildung:
Entweder Vollzeitstudium über 1,5 Jahre (DTS 1) oder berufsbegleitende Ausbildung über 3 Jahre (DTS 2)
Voraussetzungen: gem. Studienordnung der Trainerakademie
Prüfung: gem. Studienordnung der Trainerakademie

 

 

Die Rolle des Partners beim Judotraining

Liebe Judoka,

wenn wir uns über die Methodik des Judounterrichts Gedanken machen, kommen wir irgendwann zu dem Punkt über die Rolle des Partners nachzudenken. Jeder hat es sicherlich schon erlebt, dass manche Dinge nur mit gut eingespieltem Uke funktionieren. So steht die Frage im Raum, inwieweit der Partner beim Lernen und Üben von Techniken helfen kann, oder sogar helfen soll. „ Gegenseitiges Helfen zum beiderseitigen Wohlergehen“. Schon mal gehört?

Bereits 1972 hat MAHITO OHGO in seinem Buch „Judo Grundlagen-Methodik“ die analytisch-synthetische Lehrmethode vorgestellt. Es sollen Teilbewegungen von Uke und von Tori im Tandoku-renshu Stil isoliert geübt werden, um sie dann im Uchi-komi und Nage-komi wieder zusammen zu fügen. Gerade bei Fegetechniken, die ein hohes Timinggefühl erfordern, empfiehlt sich eine solche Vorgehensweise.

Aber auch in allen anderen Trainingssituationen spielt der Partner eine entscheidende Rolle. Zum einen kann er in geschlossenen Situationen des Technikerwerbstrainings helfen, zum anderen kann er in offenen Situationen des Technikanwendungstrainings die Aufgabe gestalten oder den Widerstand dosieren. Egal welche Aufgabe Uke zu erfüllen hat, er muss jederzeit mit Verstand und Einfühlungsvermögen an der Lösung der Aufgabe beteiligt sein. Nur so ist gemeinsames Training langfristig erfolgreich.

Die oberste Zielsetzung beim Erlernen von Bewegungen ist das Vermitteln eines so genannten Bewegungsgefühls. Dabei spielt die Differenzierung der kinästhetischen Wahrnehmung die entscheidende Rolle. Damit ist das Erkennen und Einordnen von unterschiedlichen Muskelspannungen und Gelenkwinkelstellungen gemeint. Uke, der durch gezielte Aufgabenstellungen im richtigen Moment Zug, Druck oder einfach nur dosierte Spannungen auf Tori überträgt, kann so die entscheidende Hilfe zur Entwicklung dieses oben erwähnten Bewegungsgefühls sein.

Zum Beispiel entwickelt ein mit geschlossenen Augen angesetzter O-uchi-gari als Reaktion auf das nach vorne kommende Bein von Uke dieses innere Wahrnehmungsgefühl. (vgl. Judo-Magazin 07/02 - 10/02)

Ralf Lippmann
16.01.2004

 

 

Methodik

Liebe Judoka,

wir wollen uns heute einige grundlegende Gedanken zur Methodik im Judounterricht machen. Die folgenden Überlegungen stammen ursprünglich von Klaus Kessler, Judo-Dozent an der DSHS Köln und wissenschaftlicher Koordinator des DJB. Sie sind dem Ausbildungsskript für Fachübungsleiter und C-Trainer des Deutschen Judo Bundes entnommen und bilden den Auftakt zu einer Reihe von Methodik Serien in Theorie und Praxis.

Überlegungen zur Anfänger-Methodik

Es gibt keinen allgemeingültigen methodischen Weg und damit auch keine bestimmte Reihenfolge der zu erlernenden Techniken.

Je nach:

Interessenlage der Teilnehmer (wettkampforientiert oder mehr spielerisches Judo)

Voraussetzungen der Teilnehmer (Kinder, andere Sportarten, Konditionszustand...)

Voraussetzungen des Lehrers (Ausbildungsstand, Alter, Zeit...)
äußeren Bedingungen (Mattengrößen, Teilnehmerzahl, Weichbodenmatte, Videorecorder...)

spezieller Situation (32 Grad im Schatten...)

wird ein unterschiedliches Vorgehen erforderlich. Dieses unterliegt jedoch allgemein gültigen Prinzipien:

Alles, was kurz- und mittelfristig methodisch geplant und durchgeführt wird, muss stets den langfristigen Zielsetzungen untergeordnet werden.

Verantwortlichkeit zu wecken muss das wesentliche Ziel der Judo-Anfängerausbildung sein. Verantwortung zeigt sich in der gegenseitigen Hilfe beim Erlernen und Verbessern der Techniken und in der Rücksichtnahme auf beiderseitige Sicherheit und Gesundheit. Dazu gehören u.a. nicht abzustützen, um dem Niederwurf zu entgehen; Hilfestellung beim Wurf zu geben; übermäßigen Kraftaufwand und Ehrgeiz zu vermeiden.

Verletzungen zu vermeiden erfordert weiterhin eine ruhige und konzentrierte Trainingsatmosphäre unter Beachtung der Dojo-Sitten, Beachtung der Hygiene-Vorschriften, Abbau von Angst sowie die Vermeidung von Überforderungen.

Motivation heißt das Zauberwort, besonders für Anfänger. Spaß, sich anstrengen, Leistungen vollbringen, sichtbare Lernfortschritte erzielen, die gesetzten Ziele erreichen und vor allem das Lob des Lehrers schaffen diese Motivation.

Verbesserung der allgemeinen aeroben Ausdauer.
Judo stellt hohe Anforderungen an die Koordinationsfähigkeit, die Grundschnelligkeit, die Schnelligkeitsausdauer, die dynamische und statische Kraft und an die lokale Muskelausdauer. Weil im Anfängerunterricht aber die allgem. aerobe Ausdauer nicht ausreichend gefördert wird, muss durch geeignete Maßnahmen während des Judounterrichts für deren Ausbildung gesorgt werden, (z.B. durch intensive Konditionsgymnastik, Circuittraining...)

Stand- und Bodentechniken gleichberechtigt nebeneinander unterrichten (auch zeitlich). Bei Bodentechniken sind von Anfang an Kampferlebnisse ohne Verletzungsgefahr möglich.

Unterrichten mit Bewegungsverwandtschaften.
Grundsätzlich sollen ähnliche Techniken (Würfe und Griffe) im selben Zeitraum unterrichtet werden, damit durch Mitüben Transfer leichter gelernt wird. Auf die trennenden Unterschiede muss deutlich hingewiesen werden, um Interferenzen zu vermeiden.

Innerhalb der Gruppe bewegungsverwandter Techniken muss auf eine sinnvolle Reihenfolge geachtet werden (steigender Schwierigkeitsgrad; größeren Fallhöhe usw.)

Alle Techniken sollen grundsätzlich nach beiden Seiten unterrichtet werden, besonders die Fallübungen.

Werfen und Fallen als Einheit unterrichten.
Fallübungen nur soweit schulen, wie es für die Wurftechnik erforderlich ist. Durch "geworfen werden" das Fallen verbessern. Die Wurfgeschwindigkeit soll den Fallkünsten von Uke angepasst werden. Besonders die relativ schwierige Zieltechnik "Judorolle" nicht zu früh unterrichten.

Haltegriffe und Befreiungen als Einheit unterrichten.
Stets nur soviel Widerstand entgegensetzen, dass der Partner sich bei richtiger Befreiungstechnik unter Anstrengung noch befreien kann

Im Normalfall sollte nach der Ganzheitsmethode unterrichtet
werden, um den komplexen Charakter einer Judotechnik nicht zu verfälschen. Dabei empfiehlt sich häufig ein spielerisches Vorbereiten der Zieltechnik (Spielformen).

Die Teillernmethode oder auch analytisch-synthetische Methode (OHGO) wird nur bei problematischen, z.B. bei völlig neuen oder besonders bei koordinativ schwierigen Techniken verwandt.

Es empfiehlt sich ein konzentrisches Vorgehen. Darunter versteht man, dass eine Technik nicht bis hin zur Feinform entwickelt wird, sondern dass das Können nach Beherrschung der Grobform zugleich in verschiedene Richtungen erweitert wird (s. auch die nächsten Punkte).

Alle Techniken sollen möglichst früh aus unterschiedlichen Bewegungsrichtungen erlernt werden. Dabei kommt der Partnerhilfe eine besondere Bedeutung zu.

Besonders intensiv sollte aus freier Bewegung mit vielen unterschiedlichen Partnern geübt werden. Nur so wird ein "Wurfgefühl" entwickelt.

Es soll frühzeitig problemorientiert bzw. situationsgemäß unterrichtet werden (wenn...dann; gegen sperrende Partner; was mache ich, wenn der Partner stets links herum ausweicht;) also: Techniktraining im taktischen Zusammenhang Dabei soll die Kreativität durch selbständiges Suchen von Lösungsmöglichkeiten unterstützt werden, z.B. durch Stellen von Bewegungsaufgaben.

Unterschiedliche Lernvoraussetzungen und -fortschritte, verschiedene Interessenlagen innerhalb einer Trainingsgruppe müssen durch Differenzierung aufgefangen werden.

Beim Erlernen einer Technik sollte mit einem etwa gleichgroßen/schweren Partner geübt werden, da sonst der typische Bewegungscharakter verfälscht werden könnte. Beim Festigen einer Technik empfiehlt sich häufiger Partnerwechsel.

Eine besondere Bedeutung kommt der Lehrerdemonstration beim Vorstellen einer neuen Technik zu. Dabei empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

· 2 - bis 3malige Demonstration in realer Geschwindigkeit (=Schaffen einer ersten Bewegungsvorstellung)
· Zerlegen der Technik in wichtige Funktionsphasen mit gleichzeitiger Beschreibung und kurzer Begründung der
· Aktionen; dabei werden die wichtigsten Teilbewegungen akzentuiert demonstriert.
· 2- bis 3malige Demonstration in verlangsamter Form; dabei werden die wichtigsten Details mit Schlagworten (sog. Basaltext) versehen.
· Abschließend nochmals in realistischer Geschwindigkeit demonstrieren.
· Diese Demonstrationsphase soll möglichst kurz gehalten werden.
· Je jünger die Teilnehmer sind, desto mehr tritt die visuelle Information (Vorzeigen) in den Vordergrund.
· Nach einer relativ kurzen ersten Übungsphase - dies gilt besonders für völlig neue Techniken - (= Schaffen eines sog. Problembewusstseins) wird die Gruppe zusammengerufen und die Technik erneut (jedoch kürzer als oben beschrieben und demonstriert. Die Schüler zeigen jetzt meist mehr Verständnis. Danach erfolgt eine längere Übungsphase mit möglichst sofortiger Fehlerkorrektur.


Gerade in der Grundausbildung ist die Fehlerkorrektur immens wichtig. Dabei gilt:

· Fehler möglichst frühzeitig verbessern.
· Fehler individuell verbessern.
· stets nur einen Fehler (nie mehrere gleichzeitig) verbessern.
· Die wichtigen Hauptfehler zuerst korrigieren.
· Kontrollmechanismen einbauen (z.B. Linien, die man beim Eindrehen berühren muss).
· Auf gegenseitiges Helfen und Korrigieren der Partner hinweisen.
· Dem Schüler ausreichend Zeit zum Abstellen des Fehlers lassen.
· Die Schüler ermuntern und loben, loben, loben...

Diese Ausführungen zu einzelnen methodischen Aspekten des Judo-Anfängerunterrichts erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sollen den Übungsleiter dazu anregen, immer wieder aufs Neue seinen Unterricht zu überdenken und seine Methodik der jeweiligen Situation anzupassen.

Viel Spaß beim Unterrichten !!!!!

Euer Ralf Lippmann

(Quelle: DJB-Internetseite 06/2003)

 

 

Randori 1

Liebe Judoka,

in unserer neuen Rubrik "Aktuelles" möchte ich heute mit einem Artikel zum Thema Randori beginnen. Zur Zeit wird in vielen Fachgremien über dieses Thema diskutiert. Zum einen wird in der Anfängerausbildung viel zu wenig oder sogar kein Randori gemacht. Zum anderen führt ein falsches Verständnis von Randori im Leistungsbereich nicht zum gewollten Trainingseffekt. Hofmann

Mein alter Judolehrer Wolfgang Hofmann, Olympiazweiter 1964 in Tokio, hat bereits Anfang der 70er Jahre in seinem Buch "Judo" den Randoribegriff trefflichst beschrieben und dies sollte man sich einfach nochmal ins Gedächtnis rufen.

Ich zitiere:

"Methoden des Judo Studiums"

"Es gibt viele Wege, die alle zum gleichen Ziel führen. Der Phantasie des Lehrers sind keine Grenzen gesetzt, aber alle Trainingsformen gruppieren sich um drei Hauptmethoden: KATA (Üben einer oder mehrerer Techniken mit einem Partner, der sich verabredungsgemäß verhält), RANDORI (freies Üben, Übungskampf ohne den letzten Einsatz) und SHIAI (Wettkampf).

Das Studium der Kata, der Form, eines Wurfes oder einer Folge von Würfen ist für die Entwicklung einer ausgefeilten Technik genauso wichtig wie das Lernen grammatischer Regeln beim Studium einer Fremdsprache. KATA ist die Grammatik des Judo. Der Partner weiß genau, was mit ihm geschieht, wie er sich zu bewegen hat, damit die zu studierende Technik überhaupt angewandt werden kann, und wie er sich anders bewegen - sprich verteidigen - müßte, damit sie unmöglich wäre. Die KATA-Methode garantiert, daß trotz der Vielfalt der möglichen Variationen und der persönlichen Eigenheiten der Lehrer ein gewisser Standard in den Techniken überall erhalten bleibt und verbreitet wird.

Ganz anders das RANDORI: War in der KATA jeder Schritt, jeder Zug, jede Bewegung vorbestimmt, >genormt< , - so ist im RANDORI >alles erlaubt< - solange man die beiden Grundprinzipien des Judo beachtet. Täuschen, Überlisten, Kontern des Partners, ihn durch Bestimmen des Tempos konditionell ermatten, sind die Mittel des RANDORI, die diese Übungsform zur interessantesten im Judo überhaupt machen. Im RANDORI fühlt der intelligente JUDOKA sich wohl, denn hier kann und muß man den Kopf gebrauchen; bevor man den Partner >austricksen< kann, muß man ihn >ausdenken<. Die zentrale Stellung dieser Übungsform geht daraus hervor, daß das tägliche Training der japanischen Universitätsmannschaften nur aus einem zweistündigen RANDORI besteht. RANDORI ist kein Kampf auf Biegen und Brechen; man kämpft nicht verbissen um jeden Punkt, um jeden >Fußbreit Boden<. Geleitet von der Maxime, daß die Entwicklung des Partners genauso wichtig ist wie das eigene Fortkommen, wird man nicht in der Weise verteidigen, daß der Angriff des Partners durch die eigene, überlegene Kraft schon im Keime erstickt wird. Man soll zwar nicht für den Partner >springen<, aber doch in der Kampfesführung für ihn immer noch eine Möglichkeit offen lassen. Und wenn der Partner es verstanden hat, das Gleichgewicht zu brechen, eine Technik sauber anzusetzen, dann soll man auch diesen gelungenen Angriff mit einer korrekten Fallübung abschließen. Wer sich darüber, daß er vorbildlich geworfen wurde und selber in der Lage war, eine gute Fallübung auszuführen, genauso freuen kann wie über einen eigenen Wurf, der hat den Sinn des RANDORI erfaßt.

Um dieses RANDORI auf dem schmalen Grad zwischen alberner Spielerei und verkrampftem Ernst halten zu können, ist es notwendig, regelmäßig an einem wirklichen Kampf, SHIAI, teilzunehmen. Im SHIAI erst, egal ob er formal im Rahmen des Meisterschaftsbetriebs oder während des Trainings stattfindet, kann man wirklich testen, wie weit der eigene technische Stand ist, welche Praktiken unbedingt intensiver geübt werden müssen und wie es um die körperliche Verfassung bestellt ist. Anders als im RANDORI, wo Sieg und Niederlage überhaupt keine Rolle spielen, wird im SHIAI durch einen Punkt, durch eine gelungene Technik, ein Sieger festgestellt - eine Gelegenheit, den einmaligen Einsatz aller Kräfte zu üben. Diese drei Übungsformen, KATA, RANDORI, und SHIAI werden den JUDOKA sein ganzes Leben lang begleiten, mag er auch eine Zeitlang sein Hauptaugenmerk auf eine der drei Formen legen. Um aber das gesamte Gebiet des Judo ausschöpfen zu können, ist es erforderlich, immer wieder zu diesen drei Methoden des Studiums zurückzufinden."

In diesem Sinne werden wir in Zukunft immer wieder Artikel zum Thema RANDORI und speziell zielgruppenorientierte alternative RANDORIFORMEN an dieser Stelle veröffentlichen. 

Euer Ralf Lippmann          Lippmann                                       
Ausbildungsleiter im Deutschen Judo Bund e.V.

(Quelle: DJB-Internetseite, 03/2003)

 

 

Randori 2: Alternative Randoriformen

vorgestellt von Frank Wieneke


Liebe Judoka,

in letzter Zeit beobachte ich, dass im Techniktraining vieler Athleten zwar sehr ordentlich durchgeworfen wird und auch versucht wird, das ganze im Randori umzusetzen, aber ich glaube dazwischen passiert zu wenig.

Wir unterscheiden grundsätzlich drei unterschiedliche Arten von Techniktraining:

1. Das Technikerwerbstraining
.

Technikerwerbstraining bedeutet, Erlernen und Verfeinern der gesamten Bewegung unter geschlossenen, d.h. bekannten vorhersehbaren Bedingungen. „Ich weiß immer was mein kooperativer Partner macht". Da ist unser Haupttrainingsmittel das klassische Durchwerfen – Nage-komi - unter zwar situativen, aber standardisierten Bedingungen.

2. Das technische Ergänzungstraining


Das technische Ergänzungstraining dient der Verfeinerung einzelner Technikelemente oder Teilbewegungen. Es kann auch das Schaffen von speziellen konditionellen oder koordinativen Voraussetzungen sein. Hier kennen wir zum Beispiel Tandoku-renshu oder Uchi-komi.

3. Das Technikanwendungstraining


Das Technikanwendungstraining, die meiner Meinung nach wichtigste Form des Techniktrainings, findet immer unter offenen Bedingungen statt. Das bedeutet, dass man entweder mit einem nicht kooperativem Partner arbeitet, oder die Situationen vom Partner bewusst offen gestaltet werden, ohne das Tori weiß, was passiert. Natürlich wird dies im Randori verwirklicht, aber diese höchste Stufe des Technikanwendungstrainings ist für viele schon zu schwer, um ihre Techniken wirklich zu verbessern.

Ich möchte in diesem Artikel Übungsformen des Technikanwendungstrainings vorstellen, in denen gerade dieser offene situative Aspekt in den Vordergrund gestellt wird. Wir werden mit Auswahlreaktionen, Griffkampfsituationen, Zeitdruck und vielem mehr arbeiten.

Zeitdruck - Randori

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Aus relativ offener Anwendungssituation versucht Tori den Partner aus freier Bewegung zu 
werfen. Dabei darf nicht um den Griff gekämpft und auch nicht mit den Armen blockiert werden. In der ersten Stufe darf Uke die Wurftechniken Toris lediglich durch Ausweichen verhindern. Das Ganze geschieht unter Zeitdruck. Tori darf 30 Sekunden angreifen und werfen, Uke verteidigt nur durch Ausweichen, dann werden die Rollen getauscht. Insgesamt dauert eine Serie 3 Minuten, jeder kommt also sechsmal dran. Anschließend werden die Partner gewechselt und es beginnt von vorne.

In der zweiten Stufe darf Uke, zusätzlich zum Ausweichen, mit den Füßen störend hakeln oder fegen. Dadurch wird die Aufgabe noch schwieriger. Die Zeiteinteilung bleibt gleich.

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In der dritten Stufe verteidigt Uke nur durch Blocken mit der Hüfte oder Absenken des Körperschwerpunktes. Das Ganze geschieht immer noch unter Zeitdruck.

Noch schwieriger wird es, wenn Uke nicht nur blocken, sondern auch kontern darf. Das wichtigste bei all diesen Aufgabenstellungen ist, dass die Rollen klar verteilt sind und diese Vereinbarungen auch eingehalten werden!

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Griffkampf – Randori

Damit der Kampf um den optimalen individuellen Griff verbessert wird, bieten wir Griffkampf - Randori als alternative Randoriform an. Tori sagt Uke, welche Fassart er durchzusetzen plant. Uke verhindert dies zunächst mit maximaler Intensität, die aber langsam, dosiert reduziert wird und Lösungsmöglichkeiten zulässt. Sobald Tori seinen Griff durchgesetzt hat, muss er direkt werfen. Dabei wird gegen die Wurftechnik nicht mehr verteidigt. Es soll aus demselben Griff mit möglichst unterschiedlichen Wurftechniken aus dem eigenen Handlungskomplex geworfen werden. Das Ganze geschieht unter Zeitdruck. Nach drei erfolgreichen Lösungen werden die Rollen von Tori und Uke getauscht.

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Zum Thema Griffkampf und Entwicklung von Griffkraft empfehle ich nochmals, in die Ausgaben 5/01-12/01 des Judo Magazins zu schauen.
 
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Fehler - Randori

Tori und Uke machen ein relativ lockeres Randori. Uke macht wahllos während dieses Randori absichtlich Fehler. Tori muss diese „Fehler" möglichst schnell erkennen und adäquat reagieren. Erkennt Tori die Fehler nicht oder zu spät, wird er von Uke darauf hingewiesen und Uke darf Tori werfen. Mögliche Fehler sind zum Beispiel:

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· extremer Druck in eine Richtung
· extremer Zug in eine Richtung
· überkreuzende Schritte
· große Schritte nach vorne, nach hinten  oder zur Seite
· oder andere….

 

So, jetzt seid Ihr aufgefordert, weitere individuelle Formen des Aufgabenrandori zu finden und auszuprobieren.

Viel Spaß wünscht
Frank Wieneke

(Quelle: DJB-Internetseite 05/2003)

 

 

Das Randori-Turnier 

von Klaus Keßler

Randori-Turnier – eine vorbereitende (alternative ?) Wettkampfform für Anfänger und Breitensportler

Vorbemerkung:

Um es direkt und deutlich auszudrücken: mit diesem Artikel möchte ich das gängige und bewährte Judo-Wettkampfsystem nach den IJF-Regeln nicht abschaffen, sondern lediglich eine anfängergerechte Möglichkeit aufzeigen, mit der sinnvoll an das „offizielle Kämpfen" herangeführt werden kann.

Weiterhin möchte ich voranstellen, dass es sich bei dem nachfolgend beschriebenen System nicht um eine neue Erfindung von mir handelt, sondern dass ich die schon 1975 von Wolfgang HOFMANN eingeleitete und später immer wieder von anderen Judofachleuten aufgegriffene Diskussion (vergl. G. BISCHF,1980 ; R.BONFRANCHI, 2002) über alternative Wettkampfsysteme zusammengefasst und weiterentwickelt habe. Dazu habe ich in vielen Diskussionen von geschätzten Kollegen zahlreiche Anregungen und wertvolle Tipps bekommen. Mein Dank geht deshalb besonders an meine Kollegen Michael Bazynski, Ulrich Klocke, Ralf Lippmann, Richard Trautmann und Frank Wieneke.

I. Kritik am gängigen System

Immer öfter wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln d.h. von unterschiedlichen Zielgruppen Kritik am gängigen Wettkampfsystem der Anfänger und Breitensportler geübt:

a) von Eltern

Um ihre Kinder kämpfen zu sehen, müssen sie wertvolle Wochenendtage opfern. Die Turniere und Meisterschaften finden in der Regel samstags und sonntags statt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Eltern bei aller Bereitschaft zur Unterstützung ihrer Kinder in der Regel nicht mehr als 4-5 Wochenendtage dafür „opfern" wollen. Die Vereine und vor allem die unerfahrenen jungen Kämpfer und Kämpferinnen sind aber auf diese Unterstützung angewiesen.

Eltern beklagen die langen Wartezeiten nach der Waage bis zum Beginn der Kämpfe und nochmals das Warten bis zur Siegerehrung. Hier hört man oft das Argument „wir werden absichtlich so lange festgehalten, damit der Ausrichter auch genügend Kaffee und Kuchen verkaufen kann." Hierzu sagt übrigens eine französische Studie, dass Eltern aus diesem Grund oft in „Verweigerungshaltung" gehen und den Imbissstand boykottieren. Wenn sie nach der Siegerehrung ihres Sprösslings aber freiwillig dableiben, um weitere Kämpfe zu verfolgen, so steigt ihr Verzehr deutlich an.

Da viele Eltern Judolaien sind, beklagen sie das undurchsichtige Kampfsystem (Warum darf jener Kämpfer trotz Niederlage nochmals kämpfen, meine Tochter aber nicht?) und die komplizierten und unverständlichen Kampfregeln.

b) von Trainern und Betreuern

Trainer beklagen zusätzlich in erster Linie die zu kurzen Kampfzeiten. Es kann an einem Kampftag nur sehr wenig Kampferfahrung gesammelt werden. Nach MATSCHEY und KRONENTHAL – sie haben 2002 in ihren Diplomarbeiten jeweils über 400 Wettkämpfe der Altersklassen U11 und U13 analysiert – kommen zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche gesamte Kampfzeit (d. effektive Zeit, die ein Kämpfer an einem Turniertag kämpft) nur 1 Minute und 4 Sekunden beträgt. Die Finalisten kämpfen sogar insgesamt nur 56 Sekunden, obwohl sie ja mehr Kämpfe bestreiten müssen als die Nichtfinalisten.

Weiterhin beklagen sie das einseitige Technikrepertoir, das nur kurzfristig erfolgversprechend ist. So werden in der Altersklasse U11 ca 80% und in U13 noch 72% der Kämpfe durch O-goshi und Koshi-guruma entschieden. Schon in der AK U15 beträgt die Erfolgsquote mit diesen beiden Techniken nur noch ca 20% (nach Untersuchungen von TILL 2003). Das bedeutet: es wird um des kurzfristigen Erfolges Willen zu früh einseitig auf langfristig nicht erfolgversprechende Techniken gesetzt (vergl. dazu LEHMANN 1993). Wie frustierend muss es für die 15jährigen Kämpfer sein, wenn sie plötzlich nicht mehr gewinnen können, weil die jahrelang bewährten Techniken nicht mehr funktionieren.

Nach Meinung vieler erfahrener Judotrainer wird durch das KO-System (das sofortige Kampfende nach einem gegnerischen Ippon) ein offensiver und progressiver Kampfstil verhindert. Wenn ein unerfahrener Anfänger, der mutig und offensiv angreift, dabei auch andere Techniken ausprobiert, einen dabei gemachten Fehler nicht wieder wettmachen kann, darf man sich nicht wundern, wenn die Kinder sich frühzeitig einen defensiven, risikoarmen und einseitigen Kampfstil angewöhnen. Dies kann später trotz großer Anstrengungen und Bemühungen durch den Trainer oft nicht abgestellt werden.

c) von den Kindern / Anfängern

Neben den oben von den Eltern gemachten Äußerungen beklagen sich die Kinder vor allem, wenn sie Gewicht abkochen müssen, um das Gewichtslimit zu erreichen. Neben der psychischen Belastung besteht die Gefahr, dass vor allem in der Pubertät durch Mangelernährung (darum handelt es sich eigentlich immer bei der Gewichtsreduzierung) irreparable Schädigungen beim wachsenden Organismus hervorgerufen werden können.

Am meisten aber beklagen sich die Kinder, die angereist sind und überhaupt nicht kämpfen können (dürfen), weil in ihrer Gewichtsklasse keine Gegner sind. Dies ist häufig bei Mädchen in den untersten Gewichtsklassen zu beobachten.

Obwohl von den Kindern nicht oder nur selten geäußert ist aber dennoch oft zu beobachten, dass viele Anfänger bei ihren ersten Kämpfen auch psychisch überfordert sind. Die zahlreichen nach einer Niederlage hemmungslos weinenden und untröstlichen Kinder sprechen eine deutliche Sprache.

Viele Kinder empfinden neben der Niederlage auch noch die körperliche Überlegenheit und die Schmerzen, wenn der Gegner nach dem Wurf (vor allem bei Koshi-guruma mit dem Griff um den Hals) noch auf sie drauffällt, oder die Umklammerung des Kopfes bei Hon-kasa-gatame (wegen der noch nicht entwickelten Schmerzvertäglichkeit) auch zusätzlich als Bedrohung oder sogar „Gewalttätigkeit"

Ich selbst habe im letzten Jahr auf einem U13-Turnier beobachtet, dass bei den insgesamt 27 Kämpfen, die in einer Gewichtsklasse ausgetragen wurden 19 mal !!! nach Kampfende die Sanitäter aus diesen Gründen beansprucht wurden. Gott sei Dank war nach höchstens zwei Minuten wieder alles ok. Dies ist auch eine Art von „naiver Psychohygiene", wenn man so die Niederlage mit „der hat mir wehgetan, das war unfair; sonst hätte ich weiterkämpfen können" zu entschuldigen sucht.

Gunter BISCHOF hat schon 1980 geschrieben und gefordert , dass die ersten Judoturniere als positives Erlebnis empfunden werden müssen. Sonst läuft man Gefahr, dass nur diejenigen weiter kämpfen, die auf dem Treppchen standen.

Deshalb müssen wir die oben geschilderte Kritik auch ernst nehmen, weil sich der Trend fortsetzt, dass viele Anfänger nach zwei, höchstens drei solcher frustrierender Erlebnisse nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen (wollen).

Wie muss denn dann ein Wettkampfsystem aussehen, damit die oben beschrieben negativen Eindrücke möglichst vermieden werden? Auch hier gilt es wieder die Wünsche bzw. Forderungen aus der Sicht der jeweils Beteiligten zu hinterfragen:

II. Anforderungen an anfängergerechte Wettkampfsysteme

a. Teilnehmer (Kämpfer und Kämpferinnen) fordern:
- ausreichende Anzahl von Kämpfen

- mehrere unterschiedliche (etwa gleichstarke) Gegner

- kein Ausscheiden nach einem ersten Fehler

-Belohnung (Anerkennung) für ein durchgestandenes Turnier (nicht nur für die Sieger)

 

b. Ausrichter fordern:

- überschaubare Teilnehmerzahlen (Hallengröße; Organisationsaufwand…)

- Dauer maximal 2 ½ Stunden (in das normale Training einzubauen; d.h. auch keine    spezielle Hallenbelegung am Wochenende)

- wenig Materialaufwand (Listen, Waagen, Mikro, Absperrungen…)

- geringen Kosten (Kampfrichterspesen)

- Einbindung der Eltern/Betreuer und fortgeschrittener Jugendlicher bei der Durchführung    und Organisation

 

c. Eltern/Betreuer fordern:

- kurze Anfahrtswege
- kein Wochenende opfern

- keine langen Wartezeiten während des Turniers

- ausreichende Kampfzeit ihrer Kinder

 

d. Trainer/Übungsleiter fordern:

- ausreichende Kampfzeit zum Sammeln von Erfahrungen

- Förderung eines langfristig entwicklungsfähigen Kampfstils
- Rückmeldung über die Leistungsentwicklung (Was war gut? Wo fehlt noch was?)
- damit auch Förderung von Verhaltensänderungen im „normalen" Randori

- letztendlich : Schaffen von Voraussetzungen und Motivation zur Teilnahme an den   offiziellen Wettkämpfen nach IJF-Regeln

III. Das Randori-Turnier

Im nachfolgend beschriebenen Turniersystem greife ich das von BONFRANCHI im Judo-Sport-Journal Nr. 22 (2000) beschriebene Turnier auf. Es wurde nach den oben beschriebenen Forderungen modifiziert und erweitert. Dabei wurde besonderer Wert darauf gelegt, das ein Gesamtpaket bis hin zu den entwickelten Wertungskarten geschnürt wurde, um den Vereinen, die dieses System anwenden wollen, ausreichende Hilfestellung und Arbeitserleichterungen bei der Durchführung zu geben.

Das System wurde mehrfach erprobt, hinterfragt und weiterentwickelt. Die Endform wurde bereits von über 30 Ausrichtern (mit überwiegend sehr positiver Resonanz) durchgeführt.

A: Organisation:

1. Kampffläche

Es werden 161m² Judomatten ausgelegt, sodass 3 Kampfflächen entstehen.

Je Kampffläche (7X7m) kämpfen 3 Paare gleichzeitig. Auf jeder Kampffläche fungieren 3 Bewerter/Beobachter. Diese können aus den Trainern, Betreuern, aber auch aus fortgeschrittenen jugendlichen Judoka gebildet werden.

2. Kampfpaarungen

Es werden 6 homogene Gruppen zu je 6 Kämpfern gebildet. Die Betreuer sorgen für ein ausgewogenes Verhältnis, indem sie Gewicht, technisches Niveau (=Gürtelstufe) und bisherige Kampferfahrung der Teilnehmer berücksichtigen. Es können/sollen gemischte Gruppen aus Mädchen und Jungen gebildet werden. Da es bei diesem Turniersystem nicht um Sieg oder Niederlage geht, sollte es bei der Zusammensetzung der Gruppen keine Schwierigkeiten geben. (Dies belegen die bisherigen Erfahrungen!)

Zur besseren Unterscheidung wird jedem Kämpfer ein farbiger Gürtel zugelost, sodass in jeder Gruppe die Gürtelfarben weiss, gelb, orange, grün, blau und braun je einmal vertreten sind.

3. Anzahl der Kämpfe / Kampfzeit

Die Kampfzeit beträgt je 4 Minuten (durchlaufend). die Gruppen 1,2,3 und 4,5,6 kämpfen im Wechsel. Innerhalb der Gruppe kämpft Jeder gegen Jeden ( s. Abbildung )

Nach jedem Kampf reichen 2 Minuten zum Eintagen der Ergebnisse in die Punktekarte.

Somit hat jeder Kämpfer zwischen seinen Kämpfen 6 Minuten Pause.

Insgesamt hat so jeder Kämpfer 20 Minuten Kampfzeit. Durch diese Organisationsform beträgt die gesamte Turnierdauer inklusive Aufwärmen und Siegerehrung (Verleihung der Urkunden ca. 90 Minuten. Das bedeutet, das Turnier kann problemlos an einem Wochentag innerhalb einer „normalen Trainingseinheit" eines Vereines durchgeführt werde.

4. Bewertung

Jeder Bewerter vergibt jedem der 6 von ihm beobachteten Kämpfer pro Kampf bis zu 6 Punkten in je 4 Kategorien (weitere Erläuterungen hierzu s. im nächsten Kapitel) und trägt diese sofort nach Kampfende in die Punktekarte ein. Nach Beendigung der Kämpfe werden die Punkte der drei Bewerter addiert und als Gesamtpunktzahlen in die Urkunde übertragen.

Anmerkung: Mein Kollege Lutz Hartmann hat dazu ein Makro entwickelt, sodass die Einzelpunkte nur in einem Laptop eingetragen werden müssen. Den Rest bis zum Ausdruck der Urkunden erledigt das Programm. Dieses Makro kann per E-mail beim Autoren unter Klaus@Kessler-Video.de angefordert werden. (Herzlichen Dank an Lutz Hartmann !)

B. Bewertungskriterien

In den nachfolgend beschriebenen Bewertungskriterien liegt nach meiner Meinung der Hauptwert und Nutzen dieses Turniersystems. Wie bereits zu beginn erwähnt, erfolgte die Auswahl nach eingehender Analyse wissenschaftlicher Untersuchungen und nach umfangreicher Beratung mit erfahrenen und erfolgreichen Judotrainern.

Jeder Bewerter kann jedem der 6 beobachteten Kämpfer je Kampf in 4 Kategorien bis zu 6 Punkten vergeben.

1. Technische Vielfalt und Korrektheit

Es muss sowohl mit Fußtechniken als auch mit (großen) Eindrehtechniken angegriffen    werden.

Die Angriffe müssen zu beiden Seiten nach rechts und links erfolgen.- Wurfverkettungen (Kombinationen und Finten) werden besonders belohnt.

Es soll kurz bis zu 10 Sekunden als Übergang in die Bodenlage weitergekämpft werden.


Korrekte Technikausführungen werden positiv bewertet (z.B Koshi-guruma mit korrektem Ausheben statt den Gegner nach dem Kopfumschlingen nur herunterzureißen).

Kontertechniken werden nicht berücksichtigt, d.h.nicht positiv bewertet, aber auch nicht    bestraft. Damit soll eine defensive Kampfesführung (a: nur auf Konter warten und b: nicht    angreifen aus Angst vor Kontern ) unterbunden werden .

2. offensiver und entwicklungsfähiger Kampfstil

Aufrechte Körperhaltung und korrekte Beinarbeit (Kein Überkreuzen, Vorderfussbelastung,    Knie leicht gebeugt…) und Hüftarbeit sorgen für eine gute Ausgangslage für Angriffe        und Verteidigung. Ausweichen und Übersteigen sowie Blocken aus der Hüfte wird    demnach belohnt, statisches und vor allem abgebeugtes Kämpfen jedoch nicht.

Schnelles Suchen des eigenen günstigen Griffes mit danach schnellen Wurfansatz wird    positiv bewertet, langer Griffkampf nur zur Verhinderung des gegnerischen Griffs jedoch    nicht. Schon in dieser Ausbildungsstufe soll man lernen, auch mit ungünstigen Kumi-kata-   positionen zurechtzukommen. Bewertet wird auch das erarbeiten unterschiedlicher    Griffpositionen (gleiche und gegengleiche Griffauslage, Ay-yotsu; Kenka-Yotsu; hoher    Kragengriff, Doppelreversgriff..) Sperren mit den Armen verhindert eine bessere Punktzahl.

3. Mut und Kampfgeist

 Risikobereitschaft (z. B auch Angriffe aus einem ungünstigen Griff heraus) ohne Angst vor   Kontern und ständiges Bedrängen des Gegners sorgen für ein hohes Kampftempo; nur wer   mindestens fünf mal pro Minute angreift, kann hier maximale Punktzahl erwarten.

Angriffsfreude auch bei gegnerischer Überlegenheit, kein Zeigen von Wehleidigkeit wird   positiv gewertet. Auch wenn der Gegner stärker ist und schon mehrere Ippon erzielt (und man   sich dabei vielleicht etwas weh getan) hat: wer jetzt noch den Biss und Mut zu offensivem   Kämpfen hat, der muss dafür belohnt werden.

4. Efffektivität und Qualität der Techniken

Natürlich bekommt auch derjenige, der viele große Wertungen (Ippon und Waza-ari) erzielt,   dafür viele Punkte. Dabei soll aber auch die Absicht, jedes Mal mit Ippon zu werfen, und die   Qualität der Technik (s. oben bei ) Korrektheit, vor allem aber die Kontrolle (d.h.   Wurfausführung, ohne die eigene Gesundheit und die des Gegners zu gefährden) mit   berücksichtigt werden.

Ich habe dieses 4. Bewertungskriterium bewusst ans Ende gestellt, um damit auszudrücken, dass auf dieser Ausbildungsstufe die ersten 3 Kriterien Vorrang haben sollten.

Für jedes „Prüfungsfach" wird die Summe der drei Bewerter in der Urkunde aufgeführt und zur Gesamtpunktzahl addiert.

Zusammenfassung der Vorteile dieses Bewertungssystems :

es gibt keine Verlierer. Jeder Teilnehmer erhält eine Urkunde und hat Punkte gesammelt.

Trotzdem ist ein Vergleich untereinander möglich (Ich habe 198 Punkte, du aber nur 187)

Es wird ein Leistungsfortschritt klar dokumentiert, wenn man beim nächsten Turnier mehr   Punkte erreicht hat(sog. Längsschnittuntersuchung).

Die Teilnehmer und auch ihre Trainer erhalten eine unmittelbare Rückmeldung über ihre Stärken und Schwächen in den 4 Kategorien. Aus dieser „kleinen Wettkampfanalyse" kann   dann direkte Rückschlüsse für die nachfolgenden Trainingseinheiten und besonders die   nächsten Randori ziehen.

Ippon-Entscheidungen werden relativiert. Man kann nach einem Ippon weiterkämpfen.

Auch die im Wettkampf manchmal vorkommenden Fehlentscheidungen, die dort direkt über   Sieg oder Niederlage entscheiden, werden relativiert, weil alle Punkte von allen drei   Bewertern zur Gesamtpunktzahl herangezogen werden. (Übrigens haben sich bei den   bisherigen ca 30 durchgeführten Turnieren weder Kämpfer, Eltern oder Trainer beschwert!!)

Und zum Schluss noch ein paar Tipps:

Da diese Bewertungskriterien für alle Beteiligten, vor allem aber für die Kämpfer ungewohnt sind, ist es unbedingt erforderlich, dass man sich auf solch ein Randoriturnier auch gewissenhaft vorbereiten muss.

Die Übungsleiter und Trainer gewöhnen ihre Kinder und Anfänger durch entsprechende Aufgabenstellung im Vereinsrandori langfristig an dieses Bewertungssystem

Beispiele:
a) in den heutigen Randori müsst ihr alle 10 Sekunden einmal angreifen.

b) Wenn ihr einmal mit eurer Lieblingstechnik angegriffen habt, dürft ihr erst dann wieder damit angreifen, wenn ihr zweimal mit einer Fußtechnik angegriffen habt.

c) Ihr dürft erst dann wieder zur rechten Seite angreifen, wenn ihr davor einen Wurfversuch links gestartet habt.

Die Bewerter können sich gut auf ihre Aufgabe vorbereiten, wenn sie im normalen Vereinsrandori einzelne Paare beobachten und nach den oben beschriebenen Kriterien zur Probe bewerten.

Es empfiehlt sich, den Eltern und Betreuern den Sinn dieses neuen Systems kurz zu erklären (z.B. auf einem Flyer).

Ganz wichtig ist, dass die Bewerter den Kämpfern bei deren erster Turnierteilnahme aus Motivationsgründen nicht direkt hohe Punktzahlen geben. Denn gerade die Steigerung von Turnier zu Turnier erhöht die Anstrengungen der Judoka, sich in den langfristig und erfolgversprechend zu bemühen und zu verbessern.

Das Randori-Turnier lässt sich gut als Vereinsmeisterschaft, als Nikolausturnier usw. sowie auf Kreisebene im Wechsel bei befreundeten Vereinen durchführen.

Wir glauben, dass unsere jungen Judoka mit der Teilnahme an solchen Turnieren ausreichende Motivation zum Kämpfen sowie eine sinnvolle Vorbereitung auf spätere Turniere nahc dem herkömmlichen Wettkampfsystem erhalten.

Alle nötigen Unterlagen wie Organisationshinweise, Wettkampfkarten, Makro für die PC-Bearbeitung und eine ausführliche Literaturliste kann beim Autoren kostenlos per E-Mail unter Klaus@Kessler-Video.de angefordert werden.

Es lohnt sich !!!! Probieren Sie es aus !!!

(Quelle: DJB-Internetseite, 07/2003)